Mitarbeiter des Komitees hatten sich nach einem Hinweis der ABU Soest im Wald auf die Lauer gelegt und die Fallen mehrere Stunden mit Videokameras überwacht. Dabei stellten sie fest, dass sich in einer der Fallen ein lebender, frisch gefangener Mäusebussard befand. „Als wir die Überwachung abends wegen Dunkelheit abbrechen und den Bussard befreien wollten, erschien ein etwa 35jähriger Mann und machte sich an den Fallen zu schaffen“, berichtet Komiteesprecher Axel Hirschfeld. Die Vogelschützer verließen daraufhin ihr Versteck und stellten den Vogelfänger mit Taschenlampen und laufenden Videokameras zur Rede. „Der Mann war völlig überrascht und hat sofort zugegeben, die Fallen aufgestellt und den Bussard gefangen zu haben.“, so Hirschfeld. Den Greifvogel, so behauptete der Falkner, habe er kurz vor Eintreffen der Vogelschützer wieder freigelassen.
Gegen 21 Uhr traf eine Streifenwagenbesatzung der Polizei Lippstadt am Tatort ein und stellte die Fanggeräte sicher. Gegen den Mann wurde ein Strafverfahren wegen Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz eingeleitet. Bei einer anschließenden Kontrolle der Wohnräume des Verdächtigen wurde in einer Voliere ein lebender Habicht entdeckt. Ob auch dieses Tier illegal gefangen wurde, wird zur Zeit überprüft.
Am Sonntagmorgen dann ein weiterer schockierende Fund: Bei einer gründlichen Nachsuche im Bereich der Fangstellen fanden Mitarbeiter des Komitees einen frisch toter Mäusebussard mit eingeschlagenem Schädel entdeckt. Dabei handelt es sich eindeutig um den Vogel, der gestern in die Falle geraten und angeblich von dem Verdächtigen freigelassen worden ist, so das Komitee. „Wir vermuten, dass der Mann unsere Leute gehört und den Bussard kurz vor deren Ankunft am Tatort in Panik getötet und in den Wald geschmissen hat“, so Hirschfeld. Der tote Vogel wurde von der Polizei zur weiteren Untersuchung übergeben.
Angesichts der Zustände in dem betroffenen Jagdrevier fordern die Vogelschützer nun eine gründliche Überprüfung des Falles durch die Behörden. So gibt es laut Komitee Hinweise, dass sowohl der zuständige Jagdpächter und der Jagdaufseher als auch ein Mitarbeiter der Unteren Jagdbehörde des Kreises Soest seit Monaten über die illegalen Machenschaften des Verdächtigen informiert waren, jedoch nichts unternommen haben.
Die Aktion bei Bad Waldliesborn war Teil der Operation „Krummschnabel“, bei der Vogelschützer, Polizisten und Veterinäre am Wochenende zeitgleich verdächtige Jagdreviere in ganz NRW kontrolliert haben. Dabei wurden insgesamt 18 tote Greifvögel und Eulen entdeckt und zahlreiche illegale Fallen, darunter Tellereisen, Habichtfangkörbe und verschiedene Typen von Käfigfallen, beschlagnahmt oder den Behörden gemeldet. Betroffen waren laut Komitee Jagreviere in den Kreisen Warendorf, Steinfurt, Soest, Kleve, Düren und dem Rhein-Erft Kreis.
- 28.02.10 - Artikel empfehlen ...


