„Ich sage Ihnen ein ganz herzliches Vergelt´s Gott, ich bin ganz gerührt“, sagte Prälat Ratzinger: „Es ist eine große Freude, Genugtuung und Erfüllung, dass Sie dieses Werk herausgegeben haben.“ Erst tags zuvor war der Bischof in Castel Gandolfo gewesen, wo er Benedikt XVI. den Band überreichte. Bei dieser Gelegenheit drückte Papst Benedikt seine große Freude darüber aus, dass innerhalb kurzer Zeit der zweite Band der Gesammelten Schriften vorliegt.
Dieser zweite Band besteht im wesentlichen aus der Habilitationsschrift Joseph Ratzingers, die er im Alter von 28 Jahren an der Katholisch-Theologischen Fakultät in München eingereicht hatte. Die Arbeit, die sich mit der Geschichtstheologie bei dem spätmittelalterlichen Franziskaner-Theologen Bonaventura befasst, ist nun
zur Gänze veröffentlicht.
In einem Vorwort widmet der Heilige Vater den vorliegenden Band seinem Bruder, „in Dankbarkeit für die Weg- und Denkgemeinschaft eines ganzen Lebens“. Verlegt werden die Gesammelten Schriften im Verlag Herder in Freiburg.
Das Wirken des heiligen Bonaventura fällt in eine Zeit des Umbruchs in der abendländischen Theologie, die vor allem auf die Begegnung mit der aristotelischen Philosophie zurückgeht. Die damalige Epoche ist die Geburtszeit der Theologie im modernen Sinne der wissenschaftlichen Beschäftigung, teilte Bischof Gerhard Ludwig bei der Überreichung mit. Der 911 Seiten versammelnde Band vereint weitere Beiträge von Joseph Ratzinger im Umfeld der Thematik.
In seiner Habilitationsschrift habe der junge Joseph Ratzinger „manches
Klischee überwunden“, wonach die scholastische Philosophie ungeschichtlich
gedacht habe, so der Bischof. Seitdem sei die Forschung auf diesem Gebiet
weitergekommen. Allerdings behalte das Fundament, das Joseph Ratzinger
damals gelegt hat, weiter seine Gültigkeit.
Prälat Ratzinger, der lange Jahrzehnte als Domkapellmeister an der Spitze der Regensburger Domspatzen stand, erinnerte an die Studienzeit der Brüder Joseph und Georg nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Freising.
Gegenüber den zahlreich versammelten Seminaristen, die an diesem Montag in
Regensburg ihr Propädeutisches Jahr begonnen haben, sagte der Prälat, nach
1945 habe eine große Offenheit und Aufnahmebereitschaft unter den
Theologiestudenten geherrscht. „Das war für uns eine kostbare Zeit. Wir
wussten, das uns die Theologie zu der Aufgabe führt, die wir alle
wollten.“ In diesen Jahren sei das menschliche und religiöse Fundament
ihres weiteren Priesterseins gelegt worden.
- Quelle: Bistum Regensburg
- 15.09.09 - Artikel empfehlen ...

