Entstanden ist das Regensburger Kunstforum „Ostdeutsche Galerie“ nach dem zweiten Weltkrieg auf der Basis des Bundesvertriebenengesetzes. Kernaufgabe des Museums: das Kunsterbe und die kreative Substanz der ehemals deutsch geprägten Kulturräume im heutigen Osteuropa bewahren und für das neue zusammengewachsene Europa erlebbar zu machen. Mit einer Sammlung von mehr als 200 zum Teil sehr wertvollen Gemälden besitzt das Regensburger Museum heute die größte Sammlung von Werken aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und Gemälde jener Künstler, die dort geboren sind.
Dazu zählen große Namen wie Lovis Corinth und Käthe Kollwitz, Adolph von Menzel, Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff, Otto Mueller, Ludwig Meidner, Lyonel Feininger, Oskar Kokoschka sowie Alfred Kubin, dessen Werke in der aktuellen Jubiläumsausstellung zu sehen sind. Die Kunst nach 1945 wird in der Sammlung von bedeutenden Namen wie Sigmar Polke, Markus Lüpertz und Katharina Sieverding repräsentiert. Die Finanzierung des Museums teilen sich der Bund, der Freistaat Bayern und die Stadt Regensburg.
Seit dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ hat das Kunstforum die Zusammenarbeit mit Partnern aus dem östlichen Europa weiter auf- und ausgebaut. „Das stärkt unser Gespür für die engen historischen und kulturellen Verflechtungen in der Mitte Europas und vertieft die europäische Integration“, lobte Bundes-Kulturstaatsminister Bernd Neumann in seiner Geburtstagsrede. Gleichzeitig, betonte der Minister, habe das Museum auch Brücken in den Westen Europas geschlagen. Das zeige zum Beispiel die Lovis-Corinth-Ausstellung, die dem Museum 2008 einen Besucherrekord bescherte und auch in Frankreich zu sehen war.
Heute gilt das Museum als eine der wichtigsten Adressen für moderne Kunst in Bayern. Dabei gehen die Verantwortlichen seit einigen Jahren ganz neue Wege: Säle statt weißer Wände, Themenräume statt chronologisch gehängter Gemälde – das neue, vor knapp fünf Jahren eingeführte Ausstellungskonzept der Ostdeutschen Galerie hat bei Museumsexperten überregional für großes Aufsehen gesorgt. In der Kunstschau „Erinnerung und Vision“ werden die ausgestellten Gemälde in besonderem Maße erlebbar: In 15 Themenräumen geht es unter anderem um das Erbe der historischen Kulturlandschaften in Mähren und Böhmen, Schlesien und Ostpreußen. Kaltes Grün schärft den Blick für romantische Landschaften, weiches Blau umfängt expressionistische Idyllen und Apokalypsen, spitzes Rot beunruhigt Mythen und Motive im Geschichtsraum Deutschland.
Jeder Ausstellungsraum erhielt einen spezifischen Farbton, der mit allen anderen Raumtönen und den Farben der Gemälde korrespondiert. Die neu gestaltete Kunstpräsentation mit dem Titel „Erinnerung und Vision“ sahen und sehen viele Kunstexperten als ein beispielhaftes und innovatives Projekt, im künstlerischen Bereich sowie bei der Vernetzung zwischen Ost und West im neuen Europa.
„Wir haben uns bewusst abgekehrt vom weißen Raum und dem Prinzip der chronologischen Hängung“, erklärt Dr. Ulrike Lorenz, die das neue Konzept erarbeitete und bis 2009 an der Spitze des Spezialmuseums stand. Mit dem neuen Design habe man frische Akzente in der deutschen Ausstellungslandschaft setzen wollen, sagt Dr. Lornez. Dazu gehört auch ein neues, freches Entree: Die tschechische Künstlerin verpackte die weißen Säulen mit dickem, knallrotem Stoff. Die Installation lässt das Eingangsportal so aussehen, als würden die Säulen nach rechts und links wegkippen – damals wie heute ein Blickfang.In den nächsten Jahren will Dr. Andrea Madesta, die aktuelle Leiterin des Kunstforums, die Rolle der „Ostdeutschen“ als künstlerische Klammer zwischen Ost und West noch stärker herausarbeiten. Sie sieht das Museum als Forum für Begegnung, Austausch und Grenzüberschreitung zwischen Menschen und Generationen, Künsten und Epochen.
- 17.08.10 - Artikel empfehlen ...



