REGENSBURG – Bei der Jahresabschlussmesse im vollbesetzten Dom betonte Bischof Gerhard Ludwig Müller die Bedeutung Jesu Christi als “Herren der Zeit” und als “Fülle der Zeit” und kritisierte ein “neuatheistisches Dogma von der Bedeutungslosigkeit des Menschen” und einen damit zusammenhängenden “Vergänglichkeitswahn”, der den Menschen jegliche Hoffnung nähme.
Zur Begrüßung gratulierte Generalvikar Monsignore Michael Fuchs dem Bischof zu seinem 60. Geburtstag, den er an diesem Tag feiern konnte und verlas die Gratulationsschreiben des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, und des Vorsitzenden der Freisinger Bischofskonferenz, Friedrich Kardinal Wetter.
Bereits am Vormittag empfing der Regensburger Oberhirte anlässlich seines Ehrentages zahlreiche Gratulanten im Bischöflichen Ordinariat. Das Regensburger Domkapitel überreichte ihm dabei eine Mitra, die von den Zisterzienserinnen in Thyrnau im Bistum Passau gefertigt wurde sowie ein Buch mit den wichtigsten Predigten und Ansprachen des Bischofs der letzten Jahre. Unter den Gratulanten fand sich neben zahlreichen Vertretern von Katholischen Verbänden und Vereinen auch Oberbürgermeister Hans Schaidinger ein.
Angesichts des Jahresendes stellte Bischof Gerhard Ludwig Müller in seiner Predigt die Frage, ob die Zeit ein Fluss ohne Wiederkehr sei und ob die Vergangenheit im Dunkel der Erinnerung verschwinde. Dabei stellte er fest, dass die alten und neuen Heiden nicht mit dem Faktum der Zeitlichkeit des Menschen zurecht kämen. Sie erlebten die Zeit als das bloße Nacheinander flüchtiger Augenblicke. Gegenwärtig gebe es einen „Neuatheismus“, der nach dem Ende der großen politischen Atheismen des 20. Jahrhunderts wieder beim materialistischen Atheismus des 19. Jahrhunderts anknüpfen wolle. Er verheiße eine Welt ohne Gott, Religion und Moral als die große Vision für das 21. Jahrhundert. “Es ist aber eine unsinnige Vorstellung zu meinen, man könne mit den auf die Materie gerichteten Kriterien der Naturwissenschaft Gottes Existenz bestätigen oder widerlegen,” so Bischof Müller. Darüber hinaus beraube der Kult der platten Diesseitigkeit den Menschen jeglicher Hoffnung, hob der Regensburger Bischof hervor.
Manche Zeitgenossen verinnerlichten sich diesen Fehlschluss und fügten sich geradezu mit frommer Inbrunst in einen Vergänglichkeitswahn. Bischof Müller: “Die Erinnerung an meinen Namen, die Pflege meines Gedächtnisses, die Gewissheit der bleibenden Gemeinschaft im Gebet, die Hoffnung auf die Gemeinschaft der Heiligen und die Schau Gott von Angesicht zu Angesicht – all dies wird völlig ausgeklammert. Statt die Erlösung des Menschen von Schuld und Tod, die Auferstehung des Leibes und damit die Vollendung des Menschen als Geschöpf Gottes zu erwarten, ergeht sich die atheistische Phantasie in der Auflösung des Ich, dem völligen Verschwinden der menschlichen Person im Orkus eines seligen Nichts.” Dies alles solle dann vernünftiger sein als das Christentum mit seinen Dogmen und Glaubensinhalten, erklärte der Bischof.
„Wenn Christus die Fülle der Zeit ist, indem er in Kreuz und Auferstehung das Menschsein in seinem Geheimnis und allen Abgründen umfasst, dann kann ich mich nicht mehr selbst aufgeben und mich in den Wahn meiner Bedeutungslosigkeit hineinsteigern. Dann ist mein Sein als geschaffene Person, dann ist meine Lebensgeschichte mit aller Größe und Tragik, mit ihren hohen Erwartungen und niederdrückenden Enttäuschungen nicht nur Schall und Rauch oder bloßer Schein. So erschreckt uns nicht mehr die Vergänglichkeit des Menschen in der Zeit. Was uns aber wehtut, ist die Anfälligkeit vieler Zeitgenossen für die falschen Propheten des Neuheidentums“, hob der Regensburger Oberhirte hervor.
In seinen Schlussworten forderte Bischof Gerhard Ludwig Müller die Gläubigen auf, Gott für all das Gute zu danken, was er uns in diesem Jahr geschenkt habe und im kommenden Jahr schenken werde. „Hadern wir nicht mit ihm wegen der Prüfungen, die uns nicht erspart geblieben sind. Auch Jesus musste leiden und wurde ungerecht beurteilt und verurteilt. Bitten wir Gott um seinen Segen, damit uns das neue Jahr 2008 näher bringt zu Gott und so ein Jahr des Heiles wird“.
– Quelle: Bistum Regensburg
- 3.01.08 - Artikel empfehlen ...

