Der Name Grace Kelly erinnert zwar unweigerlich an die Hollywood-Ikone und spätere monegassische Fürstin, doch es gibt keine familiären Bezüge. Die amerikanische Musikerin mit koreanischen Wurzeln kam als Grace Chung zur Welt und erhielt ihren neuen Nachnamen, als ihre Mutter – die oft Songs von Stan Getz spielte – zum zweiten Mal heiratete. Allerdings macht sich auch um die 18jährige Grace, die als Saxophonistin (Alt), aber auch als Sängerin und Komponistin aufhorchen lässt, fast schon Starrummel breit. Ihr Können bewies sie beispielsweise im Kennedy Center (Washington) beim Festival „Women in Jazz“, wo sie neben Dee Dee Bridgewater (voc), Esperanza Spalding (b), Terri Lyne Carrington (dr) Geri Allen und Carmen Staaf (piano) spielte. Auch beim Auftakt der gleichnamigen Konzert-Reihe in Halle bewies Grace Kelly ihre Klasse (www.gracekellymusic.com).
Unter dem Schutz von Phil Woods
Die typische schwarze Lederkappe, mit der Grace Kelly gerne auftritt, stammt aus den Händen des Saxophonisten und Komponisten Phil Woods, den sie – so melden die Musikmagazine – mit der Interpretation des Standards „I´ll Remember April“ beeindruckt hat. Doch auch Lee Konitz oder John Lockwood förderten das Talent. Mit diesen Mentoren war die Musikerin aus Massachusetts, die sich schon mit 14 Jahren ein Berklee-Stipendium sicherte, früh unterwegs in die Carnegie Hall oder „Dizzy´s Club Coca Cola“ (Lincoln Center). Gefestigt wurde ihre Karriere mit mehreren CD-Einspielungen und Auszeichnungen wie dem „ASCAP Foundation Young Jazz Composers Award“ (der Vereinigung amerikanischer Komponisten, Texter, Produzenten…).
Hierzulande ist Grace Kelly selten unterwegs und angesichts ihres Erfolgs werden die Chancen, die Interpretin im überschaubaren Rahmen kostenlos erleben zu können, kaum steigen. Da auch Song-Klassiker zum Repertoire zählen, sollten sich nicht nur eingeschworene Jazzer den Termin vormerken. Eingefädelt hat die Visite übrigens Sylke Merbold vom Bayerischen Jazzinstitut (www.bayernjazz.de) mit hartnäckigen Telefonaten mit Grace Kellys Vater und Manager. Er ließ sich überzeugen, dass die Welterbe-Stadt die ideale Kulisse für das „musikalische Welterbe“ ist. Zwischen Terminen in Chicago, Toronto, Montreal, Estoril, Warschau, Newport…
In Abstimmung mit dem Gewerbepark-Team um Geschäftsführer Roland Seehofer und Prokuristin Maria Eichhammer (www.gewerbepark.de) wird so ein Mal mehr die Idee praktiziert, die das Weekend seit jeher prägt. Profis wie Amateure spielen für Mini-Gagen. Bei internationalen Gästen werden allenfalls Organisationskosten – mit positiven Rückkoppelungen auf das Gesamtprogramm – durch Sponsoren abgefedert. Seehofer: „Dazu tragen wir gerne bei, weil das Weekend die Stadt als Kultur-, Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort gleichermaßen aufwertet.“
Ein Abstecher in die 50er Jahre
Zwei weitere Programmpunkte beim Opening auf der Piazza (Donaustaufer / Lechstraße) stehen ebenso für die Weekend-Philosophie, möglichst ohne kommerzielle Zwänge Bühnen für bunte Stilformen zu bauen: Ab 17.30 Uhr eröffnet das hallesche „Duo Mosik“ den Abend mit einer musikalischen „Melange“ aus Gypsy-Swing, Klezmer und Klassik. Für das Jazzfest verbünden sich Susann Stephan (Klarinette) und Roman Scholz (Gitarre) mit dem moldawischen Jazzer Igor Birsan (Akkordeon), dem Leipziger Gitarristen Franziskus Sparsbrod und Marcus Stadler (Kontrabass/Nürnberg). Bei virtuosen Läufen, expressiven Elementen und temporeichen Passagen klingt der „Hot Club de France“ – Django Reinhardt wäre heuer 100 Jahre alt geworden – mit an.
Von 19 bis 21 Uhr gehört die Bühne dann den „Hot Brownies“ aus Nordrhein-Westfalens Musik-Mekka Köln. Sie haben „Seven Soft Cakes and a Hard Bop“ im Gepäck, laden ein zum „Tanztee der Generationen“ und entführen ihr Publikum in die 50er Jahre. Wobei Klassiker von Cannonball Adderley oder Clifford Brown frisch interpretiert werden und vielfältige Einflüsse mitschwingen. Schließlich haben Heiko Hubmann (tp), Tobias Wember (tb), Stefan Karl Schmid (ts), Benjamin Steil (as, bars), Constantin Krahmer (p), David Andres (b) und Hermann Heidenreich (dr) schon mit den Bigbands von WDR und SWR, dem Bundesjugendjazzorchester oder dem European Jazz Orchestra getourt und Preise bei nationalen wie internationalen Wettbewerben mitgenommen.
Es muss eigentlich nur noch das Wetter mitspielen beim Weekend-Start vor der Gewerbepark-Glasrotunde. Platz ist für weit mehr als 1000 Besucher und das kostenlose Parkhaus oder Gastronomie-Angebote findet man gleich nebenan.
- 25.06.10 - Artikel empfehlen ...


