Ein Freund der meinen Beitrag beim Frühstück in der Zeitung las, rief mich aufgebracht an. Wie könne ich so einen „Schmarrn“ schreiben oder auch nur denken.
Ich antwortet ihm ehrlich und ein bisschen süffisant, entweder sei ich eben gelassener als die meisten anderen Fernsehzuschauer oder aber diese seien einfach nur hysterisch.
Für mich gebe es auf jeden Fall keinen Grund in das allgemeine Wehklagen einzustimmen.
Er sagte, dann müsse bei mir zuhause irgendetwas nicht stimmen und er kündigte an, in einer halben Stunde zur persönlichen Überprüfung bei mir auf der Matte zu stehen – pünktlich zum Spiel Nigeria gegen Griechenland.
„Na ja komm nur, überzeuge dich selbst“, waren meine Worte bevor ich auflegte.
Er wird schon sehen und hören, dass alles gar nicht so schlimm ist wie er, ja wie alle tun.
35 Minuten später öffnete ich auf sein energisches und enervierendes Klingeln die Haustür.
Er stürmte an mir vorbei direkt ins Wohnzimmer. Der Fernseher lief sich schon warm, ebenso wie die Spieler beider Mannschaften.
Gottfried schnappte sich ein Bier, öffnete den Schnappschluss und ließ sich auf die Couch fallen.
Erst dann bemerkte er den Mann neben ihm, der es sich in meinem rotbraunen Ohrensessel gemütlich gemacht hatte und bis jetzt stumm geblieben war. Eben.
„ Ah Hallo, hab´ Sie erst gar nicht gesehen- auch das Spiel gucken ? „
sagte er zu dem Älteren. „Yo „ kam es zurück.
Dann ging das Spiel los. Gottfried drückte auf die Fernbedienung. Man hörte den Pfiff des Schiedsrichters und die Spieler rannten los.
Der Geräuschpegel war so hoch, dass ich Gottfried zurief : „ Mach doch ein bisschen leiser ! „ Triumphierend sah er mich an. „ Na siehste, alles Quatsch was du geschrieben hast. Dich nerven Vuvuzelas genau wie alle andern. „
„Tuns nicht “ schrie ich rüber. „Meiner ist doch total ruhig und tut keinem was zu leide. Ich hab ihn schon 3 Tage und stören, ne stören tut er nicht.
Will mal nen Bier oder ne Curywurst. Aber ich ja auch. Ne ne, alles was ich geschrieben habe stimmt schon.“
Gottfried sah mich mit verdrehten Augen an. „ Bist du jetzt total durch den Wind ? Was hat denn der Alte da mit dem Lärm der Vuvuzelas zu tun ? „
Und dann kam alles raus. Gottfried erklärte mir, dass Vuvuzelas die Tröten seien, die man ständig laut im Hintergrund bei den WM-Spielen hörte und diese es waren die so nervten, dass man am liebsten den Ton wegschalten möchte.
Meine Nichte hatte mich vor Tagen gebeten für Sie ne Vuvuzela zu kaufen. Faul wie ich war, bestellte ich über ein Internetportal. Augenscheinlich musste ich mich bei der Bestellung verschrieben haben.
Zumindest hatte ich scheinbar nach Gottfrieds wortreichen Erläuterungen keinen Vuvuzela geschickt bekommen, sondern einen netten älteren Herren namens Uwe Zela, der seit der Lieferung auf meinem Sofa sass, meist keinen Ton von sich gab und sonst, wenn er sprach, höchstens erstaunlich kenntnisreiche Kommentare zu den Spielen abgab und dabei in etwas nuscheligem norddeutschen Dialekt einfliessen ließ, auch einmal Fussball gespielt zu haben. Na ja wie wir alle, hatte ich dabei gedacht.
Jetzt wurde mir einiges klar und ebenso Gottfried.
Wir gaben Uwe auch ein Bier, riefen zusammen „ Jetzt geht’s los“ und griffen in die Chips-Tüte.
Mir fiel noch ein, dass meine Tante Lena, die gestern kurz zu Besuch war bei der Verabschiedung noch sinnierte, irgendwie käme ihr der
„ junge „ Mann, der neuerdings bei mir wohnte, bekannt vor.
Dann gab es nur noch uns und das Spiel.
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